Rückblick: 1989 kaufte ich meine erste XT500: 1989    kaufte    ich    mir    eine    gebrauchte    Yamaha    XT500,    eine    weiße    mit    goldenen    Felgen    Baujahr    80.    Im    2- Personenbetrieb   war   die   XT   aber   schnell   überfordert,   die   Bremse   vorn   sowieso.   Ich   habe   mir   1990   dann   eine   neue XT600   gekauft,   weiß   und   mit   Scheibenbremsen,   jedoch   hat   mich   der   Sound   und   der   Bums   einer   500er   nicht   mehr losgelassen. Ich habe all die Jahre immer davon geschwärmt mir mal wieder einer 500er zuzulegen. 2010   eher   zufällig   erzählte   mir   ein   Arbeitskollege   ob   ich   nicht   ein   Mopped   kaufen   wolle.   Über   3   Ecken   verkauft jemand   eine   500er   XT,   man   müsste   aber   was   dran   machen.   Ich   hatte   sofort   zugesagt   und   eine   Besichtigung   am nächsten   Tag   ausgemacht.   Aus   der   Garage   wurde   eine   82’er   mit   Goldfelgen   und   Alutank   herausgeschoben.   Der Tank   sah   sehr   gut   aus,   jedoch   Taubenblau   und   passte   nicht   zum   Baujahr.   Bedeutet   die   XT   hat   schon   mal   einen neuen   Tank   bekommen.   Der   Rest   sah   auf   den   ersten   Blick   nicht   so   schlecht   aus.   Auf   den   2’ten   Blick   jedoch erbärmlich.    Die    XT    mu  ss    sicherlich    mehrere    Jahre    im    Regen    gestanden    haben.    Teilweise    war    der    Rost übergepinselt.   Es   schien   alles   komplett   und   der   Verkäufer   wollte   die   XT   lieber   im   Ganzen   verkaufen   und   nicht in   Einzelteilen   versteigern.   Ich   denke   Ihm   war   daran   gelegen   das   seine   XT   wieder   aufgefrischt   auf   die   Straße kommt.   Der   Verkäufer   sollte   Recht   behalten.   Er   machte   mir   auch   einen   sehr   guten   Preis,   wofür   ich   Ihm   heute   noch sehr dankbar bin. 
Die XT 500 nach dem Kauf 2010 Bestandsaufnahme und Demontage: Wie   gut   die   heruntergekommene   XT   jedoch   in   Wirklichkeit   war,   habe   ich   erst   im   Zuge   der   Restaurierung   festgestellt.   Als   erstes   hatte die   XT   lt.   ve  rrostetem   Tacho   nur   25.000   gelaufen.   Der   Motor   hatte   die   gleiche   Nummer   wie   der   Rahmen,   ein   Glücksfall.   Mein   Ziel   war es   die   XT   wieder   neuwertig   erstrahlen   zu   lassen   und   nie   wieder   herzugeben.   2   Jahre   hatte   ich   mir   vorgenommen   und   wollte   dann beim 10ten und letzten Swiss XT500 Meeting 2012 mit dieser XT teilnehmen. Also frisch ans Werk und beim Zerlegen zeigte sich welchen glücksgriff ich mit dieser   XT   gemacht hatte. Es sind zwar
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Christians XT 500
einige   Vorbesitzer   gewesen   aber   jede   Schraube   musste   erst   2   Tage   mit   Rostlöser   eingeweicht   werden   bevor   diese   gelöst   werden   konnte oder   die   Schraube   riss   einfach   ab.   Niemand   hatte   die   XT   seit   Auslieferung   kaputt   repariert.   Ich   habe   die   XT   in   2   Tagen   komplett   bis   auf jede   Schraube   zerlegt   und   die   einzelnen   Abschnitte   in   separate   Plastikboxen   gelagert.   An   dieser   XT     war   alles   ehrlich.   Alt,   rostig   aber nichts   vermurkst.   Das   Schutzblech   hinten   ein   Rostnest   mit   Durchrostungen,   es   rieselt   nur   so   heraus.   Das   Rücklicht   verrostet   und   das Lampenglas   matt   und   verkratzt.   Die   Sitzbank   schon   mal   neu   bezogen   aber   auch   schon   wieder   vergammelt.   Der   Tank   war   ja irgendwann   einmal   getauscht   worden.   Tacho   und   Drehzahlmesser   teilweise   defekt   und   die   Böden   der   Anzeigen   völlig   durchgerostet. Die   Lampenhalterungen   an   der   Gabel   hatten   eine   Verbindung   mit   den   Gummieinlagen   eingegangen.   Die   Lampe   soweit   o.k.   jedoch   hatte diese   eine   Schramme   am   Chromring, vermutlich durch einen Sturz, nichts ernstes. Gabel vorn undicht und alle Gummiteile an der XT ausgehärtet oder mit angerostet. Die Schläuche am Vergaser hart wie Glas.
Tacho und Lampe rostig                                         Rücklichtträger
Scheinwerferhalter vorn Resta ur ation: Angefangen   habe   ich   einfach   mit   dem   Rahmen   und   der   Schwinge.   Die   groben   Schweißnähte   habe   ich   übergeschliffen   und   dann   die   Teile zum   Sandstrahlen   und   Kunststoffbeschichten   abgegeben.   Nach   einiger   Wartezeit   konnte   ich   den   Rahmen   und   die   Schwinge   wieder abholen   und   die   Arbeit   und   das   Ergebnis   haben   mich   voll   überzeugt.   Es   gibt   geteilte   Meinungen   über   das   beschichten,   das   evtl.   unsichtbar an   Beschädigungen   Feuchtigkeit   eindringen   und   zur   versteckten   Korrosion   führen   kann.   Ich   bin   mir   dieses   Risiko   bewusst,   habe   jedoch auch   nicht   vor   die   XT   rauen   Bedingungen   auszusetzen   und   Sprühe   auch   nach   einer   Wäsche   mit   Trocknung   alles   wieder   mit   Pflegemittel   ein. Ich hoffe es  reicht.
Erste Anprobe  Als    nächstes    habe    ich    die    Narben,    Tauchrohre    der    Gabel,    Gabelbrücke,    Fußrasten,    Batteriebox,    Motorhalterungen,    Rücklichtträger, Lampe, und viele Kleinteile abgeschliffen oder gestrahlt. Nach einer Grundierung und erneutem    schleifen    wieder    mit    Schwarz Seidenglanz   lackiert.   Bei   diesen   Arbeiten   sind   die   Wochen   einfach   nur   verfloge n.    Bei   der   weiteren   Zerlegung   zeigten   sich   die   Felgen   durchaus als   recht   passabel,   rund   und   ohne   große   Macken.   Lediglich   etwas schwarze Farbe war auf den Felgen, die Speichen allerdings komplett verrostet. Die Felgen hatten keine   Beschädigungen,   somit   habe   ich   diese   nur   gereinigt   und   Farbreste   entfernt.   Eingespeicht   habe   ich vorher   noch   nie,   das   schwierigste   jedoch   ist   es,   den   Überblick   nicht   zu   verlieren.   Im   Schrauber   Buch   sind   die   Speichen   mit   Nummern   versehen und in der Anleitung wird auch angeführt, mit welchen Speichen begonnen wird. Das wichtigste dabei ist ein    ordentlicher Speichenschlüssel,   sonst   ruiniert   man   sich   seine   schönen   neuen   Nippel   wieder.   Zentrieren   ist   nur   eine   langwierige   Arbeit,   jedoch   nicht sonderlich   schwer.   Man   muss   sich   nur   einmal   in   das   Zusammenspiel      der   Speichen   im   Rad   hineingedacht   haben.   Spannen   der   Speichen geht dann ganz gut nach gehör. Alle Speichen sollen einen gleichen   hellen Klang haben, wenn man leicht anschlägt.
Das alte Hinterrad                                             Einspeichen und zentrieren
Die Narben sind neu lackiert, neue Lager habe ich eingesetzt und es sollen auch Edelstahlspeichen sein. XT   Elektrik:   Nach   den   Rädern   habe   ich   mir   die   Elektrik   der   XT   vorgenommen.   Diese   hat   ja   nur   6   Volt   und   man   sagt   der   Elektrik   und Lichtmaschine   nicht   viel   Gutes   nach,   zu   schwach   und   das   Licht   zu   dunkel.   Ich   wollte   aber   unbedingt   auf   Original   6   Volt   bleiben   und   habe den   Kabelbaum   komplett   neu   gefertigt.   Was   ich   mir   da   antun   würde,   konnte   ich   nicht   ahnen.   Der   alte   Kabelbaum   wurde   auf   ein   großes   Brett genagelt   und   ich   wollte   jede   einzelne   Ader   durch   ein   neue   ersetzen,   so   der   Plan.   Dabei   habe   ich   mich   entschieden,   die   Fahrzeugmasse   mit einer    separaten    Leitung    zu    erstellen.    Beim    alten    Kabelbaum    sind    tei  lweise    einige    Leitungen    einfach    zusammengelötet    und    Isoliert worden.   Ich   habe   von   jedem   Stecker   einzelne   Leitungen   in   1,5mm²   verlegt.   Der   Kabelbaum   wurde   entsprechend   dick   und   es   war   teilweise schwierig,   die   Stecker   zu   montieren.   An   der   Elektrik   habe   ich   schlussendlich   Wochen   gearbeitet.   Das   Ergebnis   überzeugt   jedoch   zu   100%. Das   Licht   ist   hell,   die   Blinker   leuchten   auch   hell   und   im   Stand   flackert   der   Hauptscheinwerfer   auch   nur   minimal.   Da   ist   es   bei   meinem Kollegen   mit   12V   Umbau   und   H4   wirklich   dunkler.   Es   lohnt   sich   also,   die   Masse   als   Leitung   auszuführen   und   wirklich   jeder   Lichtquelle   eine eigene Masse zu spendieren.
Alter                                                                                                                                und neuer Kabelbaum
Kabelbaum montiert und Stecker angebracht   Motor:      Bevor der Motor gereinigt und gestrahlt wurde,   habe ich alle Öffnungen sorgfältig verschlossen. Teilweise   Gummistopfen angefertigt   oder   Holzdeckel   „gedreht“   um   alles   gut   abzudichten.   Auch   der   Vergaser   wurde   komplett   verschlossen.   So   präpariert   wurde der   Motor   im   Fachbetrieb   seiner   Farbe   entkleidet.   Der   Vergaser   wurde   der   Optik   wegen   noch   mit   Stahlkugeln   gestrahlt   um   eine   schöne Oberfläche   zu   erhalten.   Das   Ergebnis   sah   toll   aus.   Auch   wenn   die   Firma   einwandfreie   Arbeit   ablieferte,   würde   ich   das   zukünftig   lieber   selbst durchführen.   Nach   dem   Öffnen   des   Motors   habe   ich   trotz   sorgfältigster   Abdichtung   noch   Strahlmittel   auf   den   Ventilen   und   dem   Kolben gefunden.   Wenn   man   das   selbst macht, hält man sich doch ein wenig fern der Öffnungen. Ich hatte also den Motor geöffnet um die   Ventilschaftdichtungen   auszutauschen.   Der   Motor   war   im   inneren   ohne   erkennbare   Verschleißspuren,   das   Öl   war   frisch,   kein   Pitting   an den   Kipphebeln,   nur   die   Ventileinstellschrauben   hatten   ansatzweise   spuren,   weshalb   ich   diese   ersetzt   habe. Die Ventile   wurden neu eingeschliffen und alles im inneren gereinigt. Die Ventilschaftdichtungen habe ich   erneuert,   die   Motordichtungen   und   Simmeringe selbstverständlich auch.
Motor vorher: alle Schrauben verrostet und noch nie geöffnet. Einfacher Einbau der Ventile auf der Drehbank ohne Spezialwerkzeug.
Zusammenbau Motor
La  ckierung Motor: Die   erste   Motorlackierung   ging   voll   daneben.   Ich   hatte   alles   gut   vorbereitet,   mir   auch   2K   Motorlack   besorgt   und   durfte   die   Lackierkabine eines   befreundeten   Schreiners   benutzen.   Der   Zylinder   ist   gut   geworden   doch   das   Motorgehäuse   sowie   Seitendeckel   sahen   aus,   als   wäre   dort nur   Ruß   aufgetragen   worden   oder   Schrumpflack.   Ich   vermute   mal,   dass   die   Luft   in   der   Kabine   und   vom   Kompressor   zu   Heiß   geworden   ist, der   Lack   ist   zu   schnell   getrocknet.   Völlig   enttäuscht   habe   ich   den   ganzen   Motor   außer   Zylinder   nochmals   selbst   gestrahlt   und   Lackiert.   Dann einfach   meinen   2K   Autolack   Seidenglanz   mit   Pinsel   aufgetragen   und   ich   bin   vom   Ergebnis   sehr   überzeugt.   Der   Lack   hält   und   ich   dachte mir,   dass   die   Seitendeckel   sowieso   nicht   heißer   als   100   °C   werden   würden.   Wenn   doch,   dann   ist   der   Lack   wohl   nicht   mein   größtes Problem. Mein   Fazit: Für den Rumpfmotor ist normaler 2K Lack ausreichend. Kleinteile:    Alle Schrauben wurden durch passende VA Schrauben ersetzt oder die Spezialschrauben aus VA nachgefertigt. Unterlegscheiben   oder   Karosseriescheiben   sind   auch   aus   VA.   Die   Motorbolzen   und   Steckachsen   sind   Original   Ersatzteile.   Gummiteile   für Schrauben    habe    ich    nachgefertigt,    andere    Teile    hatte    ich    neu    kaufen    können.    Schutzblech    und    Züge    aus    Beverungen    von    Müller, Schutzblech   hinten   neu   konnte   ich   ersteigern   und   in   Holland   abholen.   Natürlich   sind   sehr   viele   Sachen   auch   aus   Hamburg   gekommen. Perfekter Service und schnelle Lieferung machen einfach Spaß. 
Lackierte Anbauteile und selbst erstellte Gummilager, die Aluminiumhülse gedreht und die Gummis ausgestochen, die Nut auf der Drehbank erstellt.
Selbst nachgefertigte Schraube für die Bremsankerstrebe aus VA, alte und neue Motorschrauben aus Aluminium selbst angefertigt.
Zusammenbau der XT auf einer Arbeitsbank. Erste Probefahrt: Alles   zusammengebaut,   Öl   und   Benzin      eingefüllt   und   voller   Hoffnung   angetreten.   Die   XT   sprang   tatsächlich   sofort   an,   jedoch   lief   der Motor   wie   ein   Blechkanister   voller   Schrauben.   Es   klang   alles   sehr   hart   und   Blechern.   Nachdem   die   Auspuffdichtung   nachgezogen wurde   lief   es   besser   aber   immer   noch   nicht   rund.   Die   Fehlersuche   begann   und   ich   habe   alles   mehrfach   kontrolliert,   bis   ich   mir   eine Gradscheibe    auf    die    Lichtmaschine    geklebt    hatte.    Jetzt    konnte    ich    die    Ventilöffnung    und    Schließung    abhängig    zur    Kurbelwelle kontrollieren.   Ich   hatte   beim   Zerlegen   keine   Markierungen   am   Nockenwellenrad   angebracht   und   nun   musste   ich   feststellen   das   die richtige   Position   der   Nockenwelle   eine   gewisse   Auslegungssache   ist.   Die   Markierung   auf   dem   Stirnrad   war   nicht   100%   und   somit   hatte   ich mich   um   1   Zahn   vertan.   Das   dann   das   Ventilspiel   auch   nicht   passt,   ist   dann   auch   klar.   Alles   wieder   zusammengebaut   und   angetreten.   Die XT   lief   im   Standgas   leise   und   seidenweich,   ein   tol le s   Gefühl.   Richtig   fahren   konnte   ich   erst,   nachdem   ich   auch   noch   eine   Winzigkeit   Sand   aus dem   Vergaser   (im   Bypass   Kanal   vor   der   Düse)   entfernt   hatte.   Die   Fahrt   in   die   Schweiz   zum   XT   Meeting   2012   konnte   pünktlich   angetreten werden   und   verlief   ohne   Probleme.   Alles   hat   gut   funktioniert   und ich   bin   sehr   Glücklich   das   ich   mir   diese   XT   wieder   hergerichtet   habe.   Einzig das Wetter wollte nicht so recht passen und der neue Sitzbankkern   hatte sich auch nach 2000 Km nicht weicher angefühlt.
Abfahrt zum   10  ‘t  en   XT 500 Swiss Meeting. Von Freitag bis Sonntag mit vielen gleichgesinnten XT Fahrern auf einem   Bauernhof. Schlafen im Stroh war eine neue angenehme Erfahrung. Gemeinsames Frühstück und Aktivitäten inklusive.
Ausfahrt in der Schweiz mit über 60 Stück XT 500.  Text und Bilder: Christian Felder
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Logotyp
Christians XT 500
©christian felder